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Niedersächsisches Umweltministerium verbietet Bremsenfallen in bestimmten Regionen

Das Comeback der Viehfliegen

Bei der Bremsenfalle hängt ein schwarzer Ball unter einem Trichter, der durch die Sonne aufgeheizt wird. So soll er besonders attraktiv auf Bremsen wirken. Foto: Nabu Heidekreis
Bei der Bremsenfalle hängt ein schwarzer Ball unter einem Trichter, der durch die Sonne aufgeheizt wird. So soll er besonders attraktiv auf Bremsen wirken. Foto: Nabu Heidekreis
WALSRODE - 04. August 2021 - 22:30 UHR - VON REDAKTION

Innerhalb weniger Jahre hätten sich sogenannte Bremsenfallen zu einem wahren Verkaufsschlager entwickelt, der sich insbesondere in der Pferdehaltung großer Beliebtheit erfreue und auch im Heidekreis auf immer mehr Wiesen und Koppeln zum Einsatz komme, stellt der Naturschutzbund Heidekreis fest. Laut Hersteller sollen die aus einem schwarzen Ball, einem trichterförmigen Netz als Leitvorrichtung und einem Fangbehälter bestehenden Fallen einen effektiven Schutz vor den schmerzhaften Bissen der Pferdebremse bieten, indem sie deren Population auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern um bis zu 95 Prozent reduzieren. Diese Behauptung sei durch eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Freilandstudie widerlegt worden, stellt der Nabu fest.

Dem Vorbild Nordrhein-Westfalens gefolgt

Bei der Studie sei der Inhalt von sechs Bremsenfallen an unterschiedlichen Standorten in Nordrhein-Westfalen von Mai bis Oktober wöchentlich analysiert worden, um ihre Effektivität und Selektivität zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass es sich bei den 53.438 gefangenen Individuen nur in 2022 Fällen um Bremsen, aber in keinem einzigen Fall um eine Pferdebremse gehandelt habe. Der Anteil an Beifang variierte je nach Standort zwischen 71 und 98,5 Prozent und umfasste vor allem verschiedene Fliegen- und Mückenarten, aber auch Wildbienen und Schmetterlinge. Angesichts dieser Untersuchungsergebnisse ist das Niedersächsische Umweltministerium in einem Erlass vom 14. Mai dem Vorbild Nordrhein-Westfalens gefolgt und hat das Aufstellen von Bremsenfallen innerhalb von Naturschutzgebieten, Nationalparks, den Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, FFH-Gebieten und gesetzlich geschützten Biotopen verboten und außerhalb dieser Schutzgebiete auf den Zeitraum vom 1. Juni bis 15. September beschränkt.

Insektenfallen jedweder Machart prüfen

Der Nabu begrüße grundsätzlich jede Maßnahme, die geeignet ist, den massiven Rückgang der Insektenanzahl und -vielfalt zu stoppen und hoffe, dass der Bundesgesetzgeber schnellstmöglich ein generelles Verbot auf den Weg bringt, sagt der erste Vorsitzende des Nabu Heidekreis, Klaus Todtenhausen. Nach Meinung des Naturschutzbundes gehören Insektenfallen jedweder Machart auf den Prüfstand, weil sie das Insektensterben beschleunigen und dadurch nicht nur zur Bestäubungskrise beitragen, sondern auch zahlreiche insektenfressende Vogel-, Amphibien- und Fledermausarten gefährdeten, ergänzt Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg. Der Nabu Heidekreis appelliert daher an alle Bürgerinnen und Bürger, auf den Kauf von Insektenfallen und Insektenvernichtungsmitteln zu verzichten.

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