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Kleinbus kaputt: Bundesverband Kinderhospiz startet Spendenaktion für Dorfmarker Familie

Am Meer blüht Liam so richtig auf

Mit einem Alter von fast 16 Jahren und 360.000 Kilometern Laufleistung auf dem Buckel hat der Kleinbus der Dorfmarker Familie Merscher ausgedient - der TÜV winkt ab. Um ein gebrauchtes Nachfolgefahrzeug anschaffen zu können, auf das Verlass ist, ruft der Bundesverband Kinderhospiz zu Spenden auf. Jessica Merscher, ihr Mann Florian, Vivian und Liam schaffen den Weg zum Arzt, zur Therapie oder an die Küste mit der guten Luft für den mehrfach behinderten Sohn nur mit einem Kleinbus. Foto: Eickholt
Mit einem Alter von fast 16 Jahren und 360.000 Kilometern Laufleistung auf dem Buckel hat der Kleinbus der Dorfmarker Familie Merscher ausgedient - der TÜV winkt ab. Um ein gebrauchtes Nachfolgefahrzeug anschaffen zu können, auf das Verlass ist, ruft der Bundesverband Kinderhospiz zu Spenden auf. Jessica Merscher, ihr Mann Florian, Vivian und Liam schaffen den Weg zum Arzt, zur Therapie oder an die Küste mit der guten Luft für den mehrfach behinderten Sohn nur mit einem Kleinbus. Foto: Eickholt
DORFMARK - 03. Februar 2021 - 12:33 UHR - VON MANFRED EICKHOLT

Wer sich rund um die Uhr um ein mehrfach behindertes Kind kümmert, kann mit Gejammer über fehlende Partys und Maskenpflicht nichts anfangen. Viel wichtiger wäre ein funktionierendes Fahrzeug, in das ein Spezialrollstuhl passt. WZ-Leserinnen und -Leser können jetzt helfen.

Wenn Liam das Wort “Wasser” hört, dann blüht er auf. Schon die Badewanne ist ein Sehnsuchtsort, an Nord- und Ostsee kann er sich kaum halten vor Begeisterung. Liam ist acht Jahre alt. Die Lebenserwartung des mehrfach behinderten Jungen hatten die Ärzte damals auf zwei Jahre geschätzt. “Jeder Tag mehr ist ein Geschenk”, sagt Florian Merscher. 2018 war der 24-Jährige zusammen mit Liams Mutter Jessica (37) und ihrer Tochter Vivian (11) nach Dorfmark gezogen. Mit dem Kleinbus rollt die Familie zum Arzt, zur Therapie - und ans Meer. Doch das betagte Fahrzeug gibt den Geist auf. Der Bundesverband Kinderhospiz e.V. hat eine Spendenaktion gestartet. Motto: Liam muss mobil bleiben.

Intensivpflege rund um die Uhr

Liam kann nicht einfach so in ein Auto einsteigen. Er ist blind, kann nicht sprechen, nicht laufen, wird künstlich ernährt, kämpft mit Spastiken, Epilepsie und benötigt rund um die Uhr Intensivpflege. Mutter Jessica, ihr Mann Florian und die Schwester des Achtjährigen kümmern sich darum. In einem Spezialrollstuhl, einer Sonderanfertigung, kann Liam sich nicht verletzten und bleibt beweglich. “Mein Sohn kann fast nichts, außer goldig sein”, schmunzelt Jessica und wirft einen liebevollen Blick auf ihren Jungen. “Wasser ist seins”, freut sie sich schon auf den nächsten Trip an die Küste.

Reparaturen lohnen sich nicht mehr

Mit dem Kleinbus, der vor der Tür steht, wird das nichts mehr. Das fast 16 Jahre alte Fahrzeug hat gut 360.000 Kilometer auf dem Tacho, die Heizung ist kaputt, die rote Plakette an der Frontscheibe signalisiert: Die meisten Innenstädte sind tabu. “Es regnet rein und zieht”, listen die Merschers weiter auf. Reparaturen lohnen sich für sie nicht mehr. “Wir brauchen ein verlässliches Fahrzeug”, so Jessica Merscher. Die Vorstellung, mit Liam nach einer Panne irgendwo stehen zu bleiben, ist eine Horrorvision.

Die Zeit wird knapp

Mutter Jessica, gelernte Heilerzieherin für Kinder mit Behinderung, betreut ihren Sohn fast rund um die Uhr. Ehemann Florian arbeitet als Lagerist. Einen neuen Bus kaufen? Unbezahlbar. Überregional ruft der Bundesverband Kinderhospiz zu Spenden auf, damit die Familie ein gebrauchtes Fahrzeug anschaffen kann, das groß genug ist für den Spezialrollstuhl. Die Zeit drängt. “Der Bus kommt nicht mehr durch den TÜV”, wissen die Wahl-Dorfmarker. Und TÜV läuft in diesem Februar aus.

An der Küste verbesserte sich Liams Zustand

Die Familie stammt aus der Pfalz. Dort ist Liam auf die Welt gekommen, bekam kurz nach der Geburt eine Hirnblutung. Vor Jahren, als es ihm besonders schlecht ging, folgte die Familie dem Rat, Ausflüge in den Norden zu machen. “Da ist die Luft besser, Liam konnte befreiter atmen”, erinnert sich das Paar. Besonders an der Küste verbesserte sich der Zustand des Jungen. Schließlich fiel die Entscheidung, weiter in den Norden zu ziehen. In Dorfmark fand die Familie 2018 das passende Haus. “Das ist wirklich schön hier”, finden die Wahl-Heidjer.

Corona ist eine besondere Gefahr

Der Alltag der Familie mit einem unheilbar kranken Kind ist schon ohne Corona-Pandemie eine Herausforderung. Aktuell gilt größte Vorsicht in jeder Sekunde. “Liam würde die Krankheit nicht überleben”, wissen Jessica und Florian Merscher. Weil er erst acht Jahre alt ist, kann der Junge nicht geimpft werden. “Und die FFP2-Maske passt einmal um seinen Kopf herum”, sagt Jessica Merscher, “Kinder werden in der Pandemie vergessen.” Dass manche Zeitgenossen darüber jammern, keine Partys feiern zu dürfen oder Schutzmasken tragen zu müssen, ruft bei den Merschers nur Kopfschütteln hervor. Solche Gedanken sind ihnen in ihrer Lebenswirklichkeit fremd. “Wir leben im Jetzt”, beschreibt Jessica Merscher. “Uns ist bewusst: Morgen kann es schon vorbei sein.” So oft wie möglich wollen sie deshalb ans Meer - mit dem gebrauchten Kleinbus, der Platz bietet für Liam und seinen Spezialrollstuhl.

Spendenkonto:

Bundesverband Kinderhospiz e.V.

Sparkasse Olpe

BIC WELADED1OPE

IBAN DE03 4625 0049 0000 0290 33

Verwendungszweck: Kennwort Liam

Der Bundesverband Kinderhospiz ist als Dachverband der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhospizeinrichtungen in Deutschland auch Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kostenträger und Spenderinnen und Spender.

In Deutschland gibt es rund 50.000 Kinder und Jugendliche, die lebensverkürzend erkrankt sind. Für sie und ihre Familien setzt sich der Bundesverband Kinderhospiz ein, um sie aus dem sozialen Abseits zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen.

www.bundesverband-kinderhospiz.de Übrigens: Am 10. Februar ist Tag der Kinderhospizarbeit.

Kommentare

Aktionsabo gekündigt - 04.02.2021 - 23:38 Uhr #1
avatar Eine Spende ist auf dem Weg. Ich hoffe, sie hilft etwas und ich drücke Euch die Daumen!
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